18/19: SV Preußen Merchweiler – Borussia Neunkirchen

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SV Preußen Merchweiler – Borussia Neunkirchen
Sportplatz Haldy, Merchweiler
30.06.2018, Anst. 15.00 Uhr
73 Zuschauer / davon 20 Gäste
1:5 (0:4)

Auch das zweite Spiel der neuen Saison sollte mich ins Saarland führen. Der erste Auftritt in die neue Saison von Borussia Neunkirchen fand gerade mal drei Wochen nach dem letzten Relegationsspiel gegen Hassia Bingen statt. Bei hochsommerlichen Temperaturen von mehr als 30 Grad entwickelte sich aber dennoch ein gutes Spiel, bei dem gerade in der ersten Halbzeit vieles gut lief auf Seiten der Schwarz-Weißen Borussen: Schöne Kombinationen, gut herausgespielte Tore ließen den Anschein erwecken, dass der „erste Anzug“ bereits gut sitzt. Nach dem Wechsel kam die zweite Garde dann zum Zug und hier offenbarten sich dann noch einige Schwächen. Am Ende stand vor gerade mal 70 Zuschauer ein ungefährdeter, sommerlicher 5:1-Sieg.

Der SV Preußen Merchweiler erblickte 1919 das Licht der saarländischen Fussballwelt. 1920 stießen die Kicker des SC Hellas dazu, was zur Folge hatte, dass der Klub sich in SC Victoria umbenannte. Bereits 1931 endete der Zusammenschluss und die Vereine gingen wieder getrennte Wege. Der SV Preußen wurde dann sogar im gleichen Jahr noch aufgelöst. Es sollte bei den Preußen bis nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr viel passieren. Das Vereinsleben lag am Boden bzw. war nach der Auflösung erstmal nicht mehr existent. Dies änderte sich nach dem Krieg mit der Wiedergründung des SV Merchweiler. In der Saison 1946/47 spielten die Merchweilerer in der Ehrenklasse Saar. Dies war eine durch die frz. Militärregierung genehmigte Spielklasse, die die höchste Amateurliga des Saarlandes darstellte. Sie war in zwei Gruppen aufgeteilt und mit je sechs Mannschaften ausgestattet. Die Ehrenklasse spielte von Mitte Oktober bis Ende Dezember und hielt namhafte Gegner bereit. So traten die Preußen gegen den 1. FC Saarbrücken und Borussia Neunkirchen an, die beide später als Bundesligisten national groß aufspielen sollten. Und auch gegen den SV Saarbrücken, der heute als Saar 05 bekannt ist, und den SV Homburg, heute als FC 08 Homburg bekannt, traten die Schwarz-Weißen an. In zehn Spielen erreichten die Preußen lediglich zwei Punkte und waren damit Tabellenletzter. Ein Jahr später – die Übergangsfristen zur Eingliederung der saarländischen Vereine in den gesamtdeutschen Spielbetrieb waren vorbei – spielten die Preußen in der erneut höchsten Amateurspielklasse mit. In der Ehrendivision Saar waren dann erneut namhafte Gegner dabei: Der SV Homburg, der FC Ensdorf – später zweimaliger DFB-Pokal-Teilnehmer – sowie die Sportfreunde Burbach (heute als SF Saarbrücken bekannt) wären hier zu nennen. Mit einem guten fünften Platz waren die Kicker aus Merchweiler dann für die, ein Jahr später geschaffene, Ehrenliga Saarland qualifiziert. Sie war von 1948 – 1951 die höchste Fussballklasse des Saarlandes. Im letzten Jahr des Bestehens dieser Liga reichte es sogar hinter dem 1.FC Saarbrücken II zur Vizemeisterschaft. Somit gehörten die Preußen zu neun Vereinen, die alle drei Saisons in der Ehrenliga Saar bestritten.

In den Folgejahren waren die Schwarz-Weißen immer wieder am Aufstieg dran, schafften es letztendlich jedoch nicht. 1965 stieg der Klub als Tabellenletzter ab und kam nie wieder nach oben. Auch der Sportplatz Haldy machte dem Klub Sorgen: schwere Schäden durch unterirdische Bergbauarbeiten wurden immermehr zum Problem und so wurde der Platz mehr Kummer als Stütze. In den 30er Jahren war der Sportplatz Haldy die Heimat des SV Preußen geworden, nachdem man den alten Platz gegenüber des Marktplatzes am Kaisersaal verlassen hatte. Unvorstellbar aus heutiger Sicht sind die hohen Zuschauerzahlen, die die Preußen damals anlockten. Gegen den 1.FC Saarbrücken, Saar 05 oder auch den SV Völklingen (heute Röchling) waren es regelmäßig zwischen 2000 und 3000 Besucher. Nachdem dann die Bergschäden einen Spielbetrieb unmöglich machten, wurde der Verein heimatlos. Lange wich man auf umliegende Plätze aus. Da jedoch der Platz renoviert wurde, konnte in den 70er Jahren wieder Fussball am Haldy geboten werden. Doch die Rückkehr in die oberste Amateurklasse des Saarlandes schaffte der Klub nicht mehr. Dennoch sieht man dem Sportplatz Haldy an mehreren kleinen Details an, dass hier früher gut und gerne 3.000 Zuschauer hineinpassten. Die alten Beton-Begrenzungen zum Wald lassen daraufschließen, ebenso die Distanz zwischen der letzten Stehstufe und den Abgrenzungen. Hier liegen oder lagen früher sicherlich mehr als drei Stufen.

Für Aufsehen sorgte jedoch ab Ende der 70er Jahre die Jugendabteilung. 1979/80 sahen 1500 Zuschauer die B-Jugend (!) in der zweiten Runde um die Deutsche Meisterschaft gegen die B-Jugend des 1.FC Kaiserslautern in Hühnerfeld. Leider sahen Sie ein 0:1 ihrer jungen Preußen und damit das frühe Aus im Wettbewerb. Ein besonderes Talent aus der Jugend des SV Preußen schaffte es dann auf nationaler und internationaler Ebene für Schlagzeilen zu sorgen. Uwe Haaß wechselte zum 1.FC Köln und spielte mit den Geißböcken auch im europäischen Wettbewerb. 1994 begann der Verein nach einem Kunstrasen zu streben. Nach mehreren Anläufen und vielen aus dem Weg geräumten Steinen begann 2001 die Bauphase. Nach sechs Monaten Bauzeit wurde der Rasen dann mit dem Spiel gegen die FSG Schiffweiler eingeweiht. In der Zwischenzeit wurde aber eine neuere Generation an Kunstrasen verlegt, der dann die Eigenschaften als „Betonuntergrund“ verlor.


Vor dem Spiel zog es mich noch kurz in die Ortsmitte, vor allem an die Kirche in der Ortsmitte. Diese ist recht neu und daher dem ursprünglichen Bautyp einer Kirche entwachsen. Innen jedoch recht hell und für eine neuere Kirche auch recht hübsch zurecht gemacht. Sie liegt mitten im Wohngebiet, welches durch seine vielen Bäume und den verkehrsberuhigten Bereich sehr ansehnlich ist.

Die Gemeinde Merchweiler besteht aus den Ortschaften Merchweiler und Wemmetsweiler, wobei an dieser Stelle nur der heute bereiste Teil Merchweilers betrachtet wird. 1291 wird der Ort als „Morchevilre“ erstmals erwähnt und hat damit einen germanisch-fränkischen Ursprung! Zugehörig war der Ort zur Grafschaft Saarwerden, die zwischen 1125 und 1793 Bestand hatte. Das Kerngebiet der Grafschaft liegt im heutigen angrenzenden Frankreich im Kanton Ingwiller im Department Bas-Rhin. Ab 1527 zählte Merchweiler zum Bereich von Nassau-Saarbrücken, wobei ein Teil nach langen Erbstreitigkeiten zwischen Lothringen und Saarbrücken an die Herren von Siersburg fiel. Infolgedessen wurde der Ort zu einem Zweiherrendorf und das über 200 Jahre lang. Ab dem 17.Jahrhundert begannen dann die Jahrhunderte des Leidens in Merchweiler. Erst raffte der Dreißigjährige Krieg die Einwohner dahin, dann die Kriege Ludwigs XIV. 1793 kamen dann die linksrheinischen Gebiete zu Frankreich und ab 1815 zu Preußen. Anschließend begann die Industrie sich im Ort anzusiedeln und aus dem „Bauerndorf“ wurde ein Ort mit eigener Glashütte, Steinkohlengrube sowie einer eigenen Ziegelei.

StadtwappenMerchweiler

Zum Schluss der Blick aufs Ortswappen: Die Heraldik hat hier auch ihre ganz eigene Beschreibung, die ich an dieser Stelle gerne von der Website der Gemeinde zitieren möchte: „In Gold ein schwarzer Göpel, begleitet unten rechts von einem natürlichen roten Rosenzweig, unten links von einem roten Eichenzweig, überdeckt mit einem schwebenden vierlätzigen Turnierkragen und überzogen mit einem roten Zick-Zack-Balken“. Wer nun an dieser Stelle nichts verstanden hat, befindet sich in breiter, guter Gesellschaft, denn so erging es mir auch.


Zur Klärung: Gold war die Grundfarbe der Herren von Siersburg, die ja lange nach den Erbstreitigkeiten über den Ort herrschten. Den Zick-Zack-Balken führten ebenfalls die Siersburger in ihrem Wappen. Der vierlätzige Turnierkragen, der im oberen Bereich zu sehen ist und für uns Laien nach einer Art Brücke aussieht, stammt ebenfalls von den Siersburgern, während der schwarze Göpel, als der nach unten gespaltenen Balken, für ehemaligen Eisenbahnknoten Wemmetsweiler steht. Wobei erwähnt werden muss, dass die schwarze Farbe hier eine weitere Bedeutung in sich trägt, nämlich die der Kohle als bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Die Rose und die Eichenblätter verweisen auf Merchweiler als Wohnort im Herzen des Saarlandes und auf den Naherholungsplatz Itzenplitz und den Rosengarten der Gemeinde. Leider konnte ich nicht ermitteln welche Bedeutung die Bestandteile für die Siersburger hatten. Beim Turnierkragen lässt sich aber heraldisch festhalten, dass es eines der wichtigsten Beizeichen überhaupt ist. Vor allem in Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden kommt er vor. Er wird vor allem als Wappenbrecher benutzt, also dann wenn das Wappen eines Sohnes sich von dem des Vaters unterscheiden soll

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