18/19: SV Borussia Spiesen – VfB Borussia Neunkirchen

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SV Borussia 09 Spiesen – Borussia Neunkirchen
2.Runde im Saarlandpokal Bezirk Ost
Sportplatz Gänsberg, Spiesen-Elversberg
2:6 (0:1)
15.08.2018, Anst. 17.00 Uhr
250 Zuschauer / davon 50 Gäste

Sportplatzbesuch feiert sein einjähriges Bestehen. Der erste Bericht der Website befasste sich am 15.August 2017 ebenfalls mit dem Saarlandpokal Bezirk Ost und auch mit Beteiligung von Borussia Neunkirchen! Und so sollte sich der Kreis nach 12 Monaten erneut schließen. Wieder der 15te, wieder Maria Himmelfahrt als Feiertag im Saarland und ein erneuter Auswärtssieg der Borussia.  Am heutigen Mittwoch stieg am frisch renovierten Gänsberg in Spiesen das Pokalderby. Beide Städte trennen keine fünf Kilometer und so war die Vorfreude, auf einen guten Zuschauerzuspruch recht groß. Lustigerweise trat Borussia Neunkirchen 1983 zur damaligen Sportplatzeinweihung am Gänsberg ebenfalls das erste Spiel an. Damals freiwillig, heute verpflichtend. Die erste Halbzeit war jedoch alles andere als schön! Das 1:0 für die Gäste fiel eigentlich aus dem Nichts und mit der ersten richtigen Chance. Bezeichnenderweise durch einen Abwehrspieler. Eben dieser Torschütze war es auch, der bis zur Pause die zweite Chance für sich verbuchen konnte, nun aber am Spieser Keeper scheiterte. Erst eine kurze, aber heftige Kabinenansprache half dann die müden Beine wach werden zu lassen. Drei Chancen innerhalb der ersten fünf Minuten nach Wiederanpfiff sprachen für sich. Auch der zwischenzeitliche Ausgleich durch einen Handelfmeter brachte den Borussen-Dampfer nicht mehr vom Kurs ab! Keine fünf Minuten nach dem Ausgleich fiel erst das 1:2, wenig später der 1:3 und 1:4… Am Ende stand es dann 2:6, ein Ergebnis, das zwar standesgemäß aber in der Entstehung recht mühsam war.


Die Sportanlage Gänsberg hat ihren Namen vom gleichnamigen Berg und liegt mitten in einem Wohngebiet. Großen Ausbau gibt’s keinen, dafür dienen die umstehenden Funkmasten als Halterung fürs Flutlicht und so mancher Hausbewohner hat seinen Balkon so günstig gebaut, dass er einen Logenplatz hat. Gegründet als Fussballclub Spiesen gingen bereits nach der Gründung 1909 zwei Mannschaften an den Start, die es aus dem ungeregelten Gassenfussball, in den geregelten Spielbetrieb trieb. Das erste Sportgelände lag am heutigen Platz des Schulhauses auf dem Mittelberg. Da Fussball kaum populär war, versuchten die Behörden die Eltern zu beeinflussen, damit sie ihre Kinder zu einem anständigen Sport führten, anstatt zum Fussball. 1912 konnte der Klub beim Sportfest des FC Viktoria St.Ingbert den ersten Titel einfahren. Zwischenzeitlich hatte sich im kleinen Ort ein Konkurrenzverein gebildet, der Union Gänsberg hieß. Dieser wurde bei einem weiteren Sportfest in Elversberg mit 7:0 in die Schranken gewiesen. Leider hatte der FC Spiesen immer noch kein eigenes Sportgelände und so kamen erste Rufe nach einem eigenen Geläuf bereits vor dem Krieg auf. Und wie so häufig in den Anfängen der Fussballzeit waren es wieder die Privatleute, die aushalfen. Der Inhaber der Gastwirtschaft „Köppchen“ stellte den Kickern ein Gelände zur Verfügung, welches die Spieler nach ihrer normalen Arbeit selbst anlegten und pflegten. Doch die Freude währte nicht lange. 1914 brach der 1.Weltkrieg aus und der Sport trat in den Hintergrund.

Die Spieler vom FC Spiesen und Union Gänsberg traten dem Athletenverein „Deutsche Eiche“ bei und gründeten hier eine neue Fussballabteilung, die mehrfach gegen Viktoria 09 Neunkirchen antrat und bezogen herbe Niederlagen. Als der Krieg vorbei war, wurde mit den Heimkehrern dann die Loslösung des Athletenklubs Deutsche Eiche betrieben und man sammelte sich in einem eigenen Verein, der als Borussia Spiesen auftrat. Das alte Sportgelände auf dem Mittelberg wurde wiederbelebt und 1919 stand Borussia Neunkirchen Patenschaft für die Aufnahme der Spieser in den Süddeutschen Fussballverband Bezirk Saar-Mosel. Bereits die erste reguläre Saison beendete die Mannschaft als Tabellendritter hinter Bildstock und  St.Wendel. Danach ruhte der Spielbetrieb für ein Dreivierteljahr wegen interner Streitigkeiten. 1923 wurde die Borussia 09 dann erstmals Meister gegen Quierschied. Durch den Aufstieg in die A-Klasse trat auch die Sportplatzfrage nochmals zu Tage. Denn am Mittelberg sollte ein Wohngebiet entstehen und während eine Heimat für neue Bürger entstand, sollte die Heimat der Borussia verschwinden. Doch die Probleme häuften sich. Die neu geschaffene DJK Spiesen, mit der sich die Borussia das Areal teilte und viele Missgünstige legten dem Klub immer wieder Steine in den Weg, die existenzbedrohend waren. Doch wenigstens der TV Spiesen bot seine Hilfe an und ließ die Borussen auf ihrem Gelände spielen. Doch langfristig wollte man wieder ein eigenes Terrain haben. Doch im bergigen Gelände um Spiesen sollte es schwer werden etwas Passendes und preislich im Rahmen liegendes zu finden. Doch auf dem Gänsberg, Namensgeber des früheren Rivalen Union Gänsberg wurde ein Gelände gefunden und gekauft. 1927 wurde der Verein dann offiziell ins Vereinsregister eingetragen. Darlehen und Spenden, sowie viel ehrenamtliche Arbeit und Fleiß wurden in die Hand genommen um den Sportplatz auf dem Gänsberg herzurichten.

1928 wurde das Gelände mit einem großen und gut besuchten Sportfest eingeweiht. Sportlich konnte man sich in der A-Klasse halten, trotz der Abwanderungen vieler Spieler zur DJK Spiesen. Trotz der Rivalität zur Deutschen Jugend Kraft fanden 1933 Gespräche über eine Fusion statt. Zur Saison 33/34 stießen die Sportler des DJK zur Borussia und mit gemeinsamen Kräften sollte der Aufstieg realisiert werden. Doch am letzten Spieltag setzte es eine unnötige 1:3 – Niederlage gegen Preußen Merchweiler und ließ die Aufstiegsträume platzen. Durch finanzielle Probleme gebeutelt, sollte der Klub sein Gelände an die Nazionalsozialisten verkaufen, doch die Vorstandschaft weigerte dich mit Erfolg und Beharrlichkeit. Und der Zusammenhalt wuchs. Auf dem Platz konnte 40/41 die Kreismeisterschaft errungen werden, die zur Aufstiegsrunde in die Gauliga berechtigte. Doch gegen die damaligen Größen BSC Oppau und TSG Kaiserslautern war kein Kraut gewachsen und so musste der Auftsieg verschoben werden. 1942 konnten die Vereinsschulden getilgt werden und der Sportplatz ins Vereinseigentum übergehen. Bereits eine Saison später standen die Spieser wieder vor der Kreismeisterschaft, doch die Mannschaft wurde fast vollständig an die Front beordert, sodass der Fussball wieder in den Hintergrund trat bzw. völlig zum Erliegen kam. Die Franzosen erlaubten jedoch 1945 die Weiterführung des Vereins als Borussia Spiesen und nach einer erfolgreichen Wiederaufnahme des Spielbetriebes stieg der Verein 49/50 in die Bezirksliga Ost auf.  Die erste Saison beendete man als Dritter, stieg aber ein Jahr später wieder ab. Bis zum Jahr 1959 sollten noch ein Aufstieg und ein Abstieg folgen. 1963 weihten die Spieser ihre Flutlichtanlage ein, sowie eine überdachte Tribüne, die in Eigenleistung erbaut worden war. Anfang der 70er Jahre folgte der sportliche Absturz in die B-Klasse. 1983 war dann Borussia Neunkirchen zu Gast, zur Einweihung des renovierten Sportplatzes. Sportlich verblieb  der Verein immer zwischen  Kreisliga und Bezirksliga, in der der Klub auch aktuell spielt. Eine Ausnahme bildete hier der Zeitraum zwischen den Saisons 2009/2010 – 2013/14, als die Borussia sportlich in der Landesliga aktiv war. Eine erneute Komplettrenovierung erfolgte in den letzten drei Jahren, die vier Wochen vor dem heutigen Pokalspiel fertig gestellt wurde.Und nicht nur der Fussballclub hat eine bewegte Geschichte. Auch der Ort selbst.

Während Elversberg als Wohnsiedlung des Bergbaustollens Heinitz erst im 19. Jahrhundert entstand, reicht die Geschichte Spiesens bis in die vorgeschichtliche Zeit zurück. Zur Römerzeit gab es verschiedene Bauernhöfe im Wald, sowie mehrere Heiligtümer und Grabfelder und eine villa rustica, also einem römischen Landhaus mit Bediensteten. Im Mittelalter agierten verschiedene Fürsten und Grafen in der Umgebung, die nach und nach durch Vererbungen, Schenkungen usw. an die Klöster Neumünster (im heutigen Ottweiler) und Wadgassen gingen. Die erste Erwähnung findet Spiesen als „Spizze“ 1195, als eine Hufe (Hofstelle mit geregelten Besitzverhältnissen und Gemeinschaftsbesitz) in der Nähe der Grafschaft Saarwerden ans Kloster Wadgassen übergeben wurde. 1286 wird erstmals eine Kirche erwähnt, deren Pfarrbesitzrecht in einem Vertrag mit dem Kloster Neumünster und Ritter Friedrich von Stein geregelt wurde. 1345 kam Spiesen als Lehen an Kurfürst Balduin in Trier. Ende der 14. Jahrhunderts besaß das Kloster Wadgassen 75% und das Kloster Neumünster 25% an Spiesen. 1454 überfielen Kriegsknechte von Herzog Ludwig I. Spiesen, brandtschatzten es und vertrieben das überlebenswichtige Vieh. Zirka ein Jahrhundert später kam es zum Grenzstreit mit dem benachbarten Rohrbach, der 1573 beendet werden konnte.

1575 hielt die Reformation Einzug in Spiesen, 1605 ließ Graf Albrecht von Nassau-Weilburg-Ottweiler die Kirche schließen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort von den Schweden besetzt und gelangte vollends in den Besitz von Ottweiler (ehemals Kloster Neumünster). 1634 entwickelte sich ein neuer Grenzstreit, diesmal mit St. Ingbert, der die Bevölkerung 150 Jahre in Atem hielt. Der Krieg (kaiserliche Truppen zerstörten den Ort erneut) und die Pest rafften fast alle Einwohner dahin. Maximal ein Haushalt mit vier Personen zählte Spiesen Ende des Jahres 1635. Erst 1687 erfolgte einer erneute Besiedelung. 1739 wurde der Grenzstreit mit St.Ingbert durch einen Vertrag zwischen Ottweiler und den Grafen von der Leyen geregelt. 1800 erfolgte der Wiederaufbau der Kirche und Spiesen ging von Frankreich an Preußen über. 1872 wurde die neue Gemeinde Spiesen-Elversberg gegründet. Nach dem 1.Weltkrieg regelte der Vertrag von Versailles, dass Spiesen im Saargebiet lag und für 15 Jahre unter französisches Protektorat geriet.1935 kam der Ort zurück ins Deutsche Reich. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde von Elversberger Bürgern ein Turm auf Spieser Grund gebaut, der heute Wahrzeichen der Gemeinde ist, früher zu Spähzwecken diente und nach Adolf Hitler benannt war. Heute heißt der Turm Galgenbergturm, da er auf der größten Erhebung der hügeligen Gemeinde liegt. Nach Europas dunkler Zeit kam Spiesen ins neu gegründete Saarland.


Leider war die Kirche an diesem Tag geschlossen und wir konnten uns kein Bild von innen machen. Dafür konnte der Gänselieselbrunnen begutachtet werden, der an die Zeit des Mittelalters erinnert, als eine Magd die Einwohner vor dem Hungertod bewahrte, in dem sie bei Angriffen die Gänse den Berg hinauf in den Wald trieb (daher Gänsberg) und sie später wieder in den Ort hineinbrachte. Der Brunnen wurde 1935 gebaut, im gleichen Jahr, wie der Galgenbergturm. Direkt dahinter liegt ein kleiner Platz mit Lohre und Heimatmuseum. Ganz interessant ist, dass zwischen Spiesen und Rohrbach die sog. Banngrenze zwischen Bayern und Preußen im 19. und 20.Jahrhundert lag.

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Das Wappen spiegelt dann wiederum auch die regionalen Gegebenheiten und geschichtlichen Eckdaten wider. Das Schildwappen ist dreigeteilt. Eine Spitze teilt das Wappen in drei Teile. Oben links und oben rechts sind zwei Kreuze zu sehen, die für die beiden Klöster Wadgassen und Neumünster stehen, die lange über den Ort herrschten. In der Spitze, die für den alten Ortsnamen Spizze steht und auch die hügelige Lage Gemeinde wiedergibt, ist ein roter Löwe auf goldenem Grund zu sehen, welcher für die Grafen Saarbrückens steht, die ebenfalls ihren Einfluss ausübten. Der Löwe hält in seiner rechten Hand eine Grubenlampe, die für die wirtschaftliche Bedeutung des Bergbaus steht. Alles in allem ist Spiesen eine sympathische Gemeinde, die mir bereits bei meiner Fahrt nach Rohrbach positiv auffiel.

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